http://www.ngz-online.de/lokalsport/nachrichten/Jetzt-sind-alle-gefordert_aid_789830.html"Jetzt sind alle gefordert"VON VOLKER KOCH - zuletzt aktualisiert: 30.11.2009 - 21:00
Ehrenbürger Heinz Hilgers richtete vor dem Anpfiff einen Appell um Unterstützung des Bundesliga-Handballs an alle Dormagener. Die Mannschaft setzte seine Aufforderung in der Partie gegen den TBV Lemgo jedoch nur zeitweise um.
Auch bei ihm läuft es momentan noch nicht rund: Das Comeback von Florian Wisotzki nach seiner Knieoperation begann vielversprechend, doch seit vier Spielen läuft der Mannschaftskapitän des TSV Dormagen seiner Form hinterher. Die 26-jährige Geschichte des Profi-Handballs in Dormagen - sie begann 1983 mit dem Aufstieg in die zweite Liga – hat schon viele Besonderheiten hervorgebracht. Dass ein Ehrenbürger der Stadt jedoch vor dem Anpfiff eines Bundesliga-Spiels übers Hallenmikrofon einen Unterstützungsappell an alle Dormagener richtet, hatte es bis Sonntagnachmittag noch nicht gegeben – und dürfte in der Handball-Bundesliga (HBL) auch insgesamt Seltenheitswert besitzen.
Die meisten wähnten Heinz Hilgers am Sonntag noch in Tokio, wo er als Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes eine Reihe von Vorträgen hielt. Doch der Alt-Bürgermeister, Ehrenbürger der Stadt und bekennende Handballfan war rechtzeitig zur Partie des TSV gegen den TBV Lemgo zurückgekehrt. Nicht, um den Spielern im ungleichen Duell mit dem Starensemble aus dem Ostwestfälischen die Daumen zu drücken.
Info Vier Spiele verlegt
Auf der Terminkonferenz der Handball-Bundesliga wurden jetzt die Termine für die Rückrunde festgelegt. Vier Spiele des TSV Dormagen wurden verlegt: beim THW Kiel (vom 20. auf den 17. Februar, 20.15 Uhr), gegen den HSV Hamburg (vom 27. auf den 24. Februar, 20.15 Uhr) bei den Rhein-Neckar Löwen (vom 27. auf den 23. März, 20.15 Uhr) und beim VfL Gummersbach (vom 31. März auf den 21. April, 20.15 Uhr).
Hilgers richtete vielmehr übers Hallenmikrofon einen Aufruf, den durch die Gründung einer Spielbetriebs GmbH eingeleiteten Neubeginn zu unterstützen. "Erste Schritte sind getan", sagte Hilgers und denkt dabei nicht nur an die GmbH-Gründung, sondern auch an den neuen Namen "Dormagener Handball-Club Rheinland". Und er versicherte: "Die große Mehrheit von Sponsoren und Förderern hat erklärt, dass sie Bundesligahandball in Dormagen will. Das alles sind erste, positive Schritte." Doch der Ex-Bürgermeister ist Realist genug, zu erkennen, "dass die schwierigen und alles entscheidenden Schritte erst noch bevor" stehen: "Denn zur Schaffung einer soliden finanziellen Basis müssen in nur wenigen Wochen weitere Sponsoren und Geldgeber gefunden werden. Gelingt das nicht, ist das gesamte Vorhaben gescheitert."
Seinen Appell: "Jetzt sind wir alle aufgefordert, unseren Teil zum Gelingen beizutragen", schienen die Spieler in die Tat umsetzen zu wollen, führten sie doch nach elf Minuten mit 7:4. Selbst nach einer Auszeit vom TBV-Trainer Volker Mudrow und einer Umstellung der Lemgoer Abwehr hielten sie weitere zehn Minuten den Gleichstand. Doch dann kam es wie so oft in dieser Spielzeit: Gönnt Trainer Kai Wandschneider seiner Stammbesetzung eine Pause, kommt ein Bruch ins Spiel. Diesmal war es die Einwechslung von Konstantinos Chantziaras anstelle von Junioren-Weltmeister Kristian Nippes, die die Partie zum Kippen brachte: Von 12:12 zogen die Gäste auf 17:12 (27.) davon. Chantziaras selbst beendete zwar die sechsminütige Dormagener Torflaute. Doch aufs Ganze gesehen ist der griechische Linkshänder ein hoher Unsicherheitsfaktor ; obwohl schon fast ein Jahr in Dormagen, hat er die Spielzüge des TSV immer noch nicht verinnerlicht.
Die Laufwege stimmen nicht, was unweigerlich zu eigenen oder zu Ballverlusten seiner Nebenleute führt – und solche bestraft nicht nur der TBV Lemgo mit tödlicher Sicherheit. Neun der 38 Gästetreffer resultierten aus Gegenstößen. Freilich ist Chantziaras nicht allein für die Rückraumschwäche des TSV verantwortlich: Beständig gute Leistungen zeigt alleine Christoph Schindler. Und wenn der wie am Sonntag von der gegnerischen Deckung neutralisiert wird, herrscht Hängen im Schacht. Schindler hat in elf Partien 70 Tore erzielt - die anderen fünf Rückraumspieler Kristian Nippes (32), Nils Meyer (22), Konstantinos Chantziaras (19), Maciej Dmytruszynski (18), Florian Wisotzki (17) und Spyros Balomenos (5) bringen es gemeinsam auf 95 Treffer. Wie sagte Wandschneider : "Ich vertraue den Spieler. Aber wir brauchen Steigerungen, vor allem im Rückraum."