Mit einem Kraftakt sondergleichen hat sich das wohl jüngste Team, das je für den TSV in der Bundesliga auflief, den Klassenverbleib in der Ersten Bundesliga erkämpft.
Der Weg dorthin war steinig und schwer, hat die Mannschaft, Trainer und Betreuer aber auch alle Fans viele Nerven und viel Schweiß gekostet.
Der Samstag begann für einen Teil der TSV-Anhängerschaft schon mit einer Nervenzerreißprobe: um 15.30 sollten die beiden kostenlos vom TSV Dormagen für die Fans bereitgestellten Busse die Reise nach Münster antreten. Der erste Bus war pünktlich, der zweite ließ eine Dreiviertelstunde auf sich warten, es war kalt, es regnete, und wir wurden immer nervöser, ob wir überhaupt zeitig genug zum Anpfiff die Halle erreichen würden.
Wir schafften es; nach einer fröhlichen Fahrt trotz Umwegen wegen eines Staus kamen wir eine halbe Stunde vor Spielbeginn in Münster an. Dort erwartete uns allerdings der nächste Hammer: Wir fragten uns, wo um alles in der Welt wir noch vernünftige und vor allem zusammenhängende Plätze in der scheinbar schon völlig überfüllten Halle finden sollten!
Der freundliche Emsdettener Hallensprecher ermunterte das Publikum, doch näher zusammenzurücken, das wäre doch schön kuschelig... Und das für einen Kartenpreis von 23 € für einen Sitzplatz. Viele von uns mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen, selbst Treppenaufgänge (Fluchtwege) waren nicht mehr erkennbar, weil sie von Zuschauern verstellt waren! Das würde es in der Dormagener HR-C Arena nie geben.
Von unseren bisherigen Erlebnissen leicht aufgebracht, konnten wir dann die überschüssige Energie unseren Spielern zu Gute kommen lassen. Wir haben getrommelt, gesungen, geschrien, geklatscht, unsere Jungs nach vorne gepeitscht, damit sie durchhalten. Es war fast unmöglich, gegen die mehr als 3000 euphorischen und Stimmung machenden Emsdettender Fans anzukommen, aber wir haben alles gegeben, und das haben auch unsere Spieler wahrgenommen.
Das Spiel war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten, es ging ja auch um alles oder nichts. Wir hatten einen guten Start, aber je weiter die Zeit fortschritt, desto näher kam der TVE. Zur Pause führten wir nur noch mit einem Tor 13:12. Für uns war wichtig, hier auf jeden Fall mehr als 23 Auswärtstore zu erzielen und für alle Fälle das vier Tore-Polster aus dem Hinspiel aufrecht zu halten. Verdammt schwer für 8 Feldspieler, davon Maciej und Gennadij nur in der Abwehr. Kentin mit 19! Jahren auf der Königsposition, unsere Youngsters gegen eine körperlich haushoch überlegene TVE-Abwehr!
In den letzten 15 Minuten hielt uns nichts mehr auf unseren Plätzen, wir standen nur noch, unsere Anspannung war kaum noch auszuhalten. Meine Rescue-Tropfen hatten mir Gott sei Dank Luft für die letzten sechs Minuten verschafft. In der 54. Minute führte Emsdetten mit drei Toren. Nils, Nippi, Bobby, Patti, Kentin & Co. schienen die Kräfte zu verlassen. Unser Polster schien verloren. Hunderte Stoßgebete schickten wir und die Daheimgebliebenen am Fernseher und Liveticker gen Himmel: Haltet durch, Jungs, wir schaffen das gemeinsam! 57. Minute: Kentin wirft das ersehnte 24. Tor - 58. Minute: Nils trifft zum 25:27 - 60. Minute: Nippi jagt den Ball zum 26:28 ins Netz...Jaaaaaaaaaa!
Dass Stefan Thünemann noch einmal für den TVE zum 26:29 traf, ging im unserem grenzenlosen Jubel unter. Nichts und niemand konnte uns nun noch aufhalten, jubelnd stürmten wir auf das Spielfeld, lagen uns und den Spielern gegenseitig in den Armen. Niemand schämte sich seiner Tränen des Glücks und der überschäumenden Freude über den absolut verdienten Klassenerhalt einer jungen Mannschaft, die über sich hinausgewachsen und über ihre Grenzen gegangen war.
Unsere Rückfahrt diente dann ein wenig der Entspannung und Erholung von unserem kräftezehrenden Trip nach Münster. Das war auch nötig, denn Jojo Kurth hatte spontan alle TSV-Fans zum Feiern zu Uli Jung ins Haus Bismarck eingeladen, und dafür brauchten wir ja dann auch noch ein bisschen Kraft.
Eine Menge Anhänger des TSV hatten bei Uli Jung vor dem Fernseher den Auftritt der Mannschaft verfolgt und waren richtig gut in Stimmung. Trainer Kai Wandschneider traf als erster von der Mannschaft im eigens für diesen Anlass aufgestellten Zelt am Haus Bismarck ein, er hatte Tränen in den Augen, als wir ihn gebührend empfingen. Dann ging es Schlag auf Schlag, irgendwann waren unter lautem Gejohle fast alle Spieler, Betreuer und Physios eingetroffen. Schade, Bobby und Michi mussten ja direkt nach Emmen zu ihrem Niederländischen Nationalteam. Leider fehlte Thomas Dröge und auch Vitali, gerade ihn hätten wir gerne noch gefeiert, hatte er doch einen großen Anteil an diesem Erfolg.
Alle waren total ausgelassen, die Jungs tanzten auf den Tischen, stimmten immer wieder mit uns die TSV-Schlachtrufe und „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ an, pafften ihre wohlverdienten 1. Bundesliga-Zigarren, und zum zweiten Mal an diesem Abend gab es die obligatorische Humba. So nach und nach erst realisierten die Spieler erst richtig, dass sie eine „Seuchensaison“ mit eigenen Kräften mit dem Klassenerhalt abschließen konnten. Überall wo man hinsah, fröhliche und grinsende Gesichter. Den Jungs wird das Grinsen in den kommenden Tagen wohl ständiger Begleiter sein.
Irgendwann nach zwei Uhr musste ich klein beigeben, meine Kräfte waren aufgebraucht. Wie lange die Party noch ging? Keine Ahnung, Ende war offen...
Fazit: Man darf die Hoffnung nie aufgeben!
Der TSV Dormagen verlässt die Dormagener Handballgeschichte erstklassig!
Der DHC beginnt seine Handballgeschichte in der ersten Bundesliga!
Dies waren meine Eindrücke von unserem Handball-Sommermärchen!
Ich wünsche der Mannschaft, Trainern und Betreuern sowie allen Handballfreunden eine gute Zeit.
Herzlichst Eure Elvira Seidel